Liebe Gemeinde,

vor einem guten Jahr wurde in ganz Deutschland eine neue Predigtordnung eingeführt. Dadurch kommen nun ganz neue Bibeltexte vor, und der für heute vorgegebene Bibeltext ist einer, über den

ich noch nie gepredigt habe – und Sie haben wahrscheinlich diesen biblischen Text noch nie gehört.

Bevor wir ihn hören, hilft es, wenn wir uns seinen Hintergrund deutlich machen. Damals, etwa im Jahr 600 vor Christus, bot sich im heutigen Israel ein trauriges Bild: Den Norden des Reiches hatten geldgierige, gottlose Könige und Politiker ins Verderben gestürzt, und nun war auch der Süden, nämlich Juda, von einem mächtigen Volk, den Babyloniern, zu einer bedeutungslosen Provinz gemacht worden. Viele Gebäude lagen in Trümmern, das Land war weitgehend zerstört, die Gottlosigkeit und Verantwortungslosigkeit des Königs und seiner Berater hatte schlimme Auswirkungen gezeigt.

An diesem Punkt lesen wir nun bei Jeremia im 14. Kapitel: Dies ist das Wort, das der HERR zu Jeremia sagte über die große Dürre: Juda liegt jämmerlich da, seine Städte verschmachten… Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter. Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter… Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen und schnappen nach Luft wie die Schakale; ihre Augen erlöschen, weil nichts Grünes wächst.  Ach, HERR, … unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben… Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

In diesen Bibelworten, liebe Gemeinde, entdecke ich, über die Distanz von weit mehr als 2500 Jahren hinweg, drei wichtige Botschaften an uns.

Die erste Botschaft: „Wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser; nichts Grünes wächst.“ Wer von uns hätte bei diesen Worten nicht unsere Natur vor Augen, die seit Jahrhunderten ausgebeutet wird und der wir eine Klimaveränderung zugemutet haben, in der Wasser ein immer knapperes Gut wird, in der immer mehr Pflanzen zerstört und Tiere ausgerottet werden! „Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter.“ Mir fallen die Landwirte ein, die durch immer strengere Quoten und menschenverachtende Vorschriften aus Berlin und aus Brüssel ums Überleben kämpfen müssen, anstatt dass ihre Arbeit geschätzt und vernünftig bezahlt wird. „Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land.“ Fragen Sie unsere Landwirte einmal, wie sehnsüchtig sie in den letzten zwei Jahren auf Regen gewartet haben!

Damals in Israel wollten viele Menschen die nahe Katastrophe nicht wahrhaben. Deshalb predigte Jeremia Umkehr und Buße. Und heute? - Ist noch Zeit für eine Umkehr? Auch wenn viele Menschen über Greta Thunberg herziehen – wer unter uns will ausschließen, dass Gott selbst diese junge Frau zur Prophetin berufen hat, uns und der Welt ins Gewissen zu reden?

Der mächtigste Mann der Welt, den leider nach wie vor die Mehrheit seines Landes unterstützt, tönt von seinem Amtssitz in Washington aus, dass er bezweifelt, dass es überhaupt einen Klimawandel gibt. Und so etwas darf man ungestraft sagen! Der Klimawandel ist nicht zu leugnen: Unsere Kinder und Enkelkinder kennen Winter mit Schlittenfahren nur von unseren Erzählungen, dafür werde sie mit ihren Enkelkindern einmal stöhnen über Sommer mit Temperaturen über 45 Grad.

Um Dürre geht es auch bei der zweiten Botschaft unseres Bibeltextes. Hand in Hand mit der wettermäßigen Dürre geht in unserer Zeit eine erschreckende Dürre im Blick auf die geistige und geistliche Nahrung, die uns in dieser Welt angeboten wird. Mich erschreckt, wie viele Menschen zufrieden sind mit der trockenen, nährstoffarmen und niveaulosen Nahrung, die uns Medien, Internet, WhatsApp-Filmchen, Fernsehen, Youtuber usw. bieten. Wenn unter euren Youtubern, liebe Konfis, einer ständig Kraftausdrücke gebraucht, ist er megacool, bekommt Millionen Likes und Clicks und ist ein Mega-Star, ein Vorbild. Und bei uns Erwachsenen ist das nicht viel anders. In diesen Tagen schauen jeden Abend um halb elf fünf Millionen Menschen zu, wenn D-Promis Känguru-After kauen und Sperma vom Buschschwein trinken. Und Bohlens Superstar tun sich auch immer noch Millionen Menschen an. Wie geistig arm ist denn unsere Zeit? Und wie geistlich arm? Wie wenigen Menschen ist es heute noch wichtig, mit anderen Gottesdienst zu feiern und Gott die Ehre zu geben? Welch eine Dürre in unserem ehemals so blühenden Land!

Trotz alledem, was es an Düsterem zu sagen gibt, ist da noch die dritte Botschaft des Propheten: „Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!“ Diese vertrauensvollen Worte des Propheten erinnern uns daran, dass man von Gott nur reden kann, wenn man auch von seiner Gnade redet. Und aus dieser Gnade heraus spricht Gott uns zu: „Was auch immer geschieht, ich verlasse dich nicht!“

Haben wir nicht genau das schon immer wieder in unserem Leben erfahren? Nämlich dass genau dort, wo wir meinten “Jetzt ist alles aus“, wo wir uns von Gott und der Welt verlassen fühlten – dass genau dort mit einem Mal ein Licht uns leuchtete und wieder herausführte aus der Finsternis?

In dieser Gewissheit haben wir auch Ihre Verstorbenen, liebe Trauerfamilien, Gott anbefohlen. In dieser Hoffnung dürfen Sie auch Ihre Lebenswege weitergehen, auch wenn dieses Leben jetzt um einen lieben Menschen ärmer geworden ist.

Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!“ Wenn wir in dieser Gewissheit nach dem Gottesdienst in unseren Alltag zurückkehren, lasst uns daran denken: Zu diesem Alltag gehören eine kurz vor dem Kollaps stehende Erde und eine Gesellschaft, die unter einer dramatischen Geistesdürre leidet.

Es braucht Menschen, die unsere Erde und unsere Gesellschaft retten. Diese Menschen sind nicht nur die anderen, sondern wir selbst. Gott braucht unsere Mithilfe.

Amen.