Liebe Gemeinde,

vorgestern war Valentinstag. Jener Valentin ist keine Erfindung der Werbung, sondern hat tatsächlich gelebt:

Vor 1700 Jahren lebte er, in Terni, nördlich von Rom, als Bischof oder Mönch. Oft gab es damals Krieg, deshalb freute Valentin sich, wenn er Menschen sah, die sich liebten; an alle Paare, die an seiner Hütte vorbeigingen, verteilte er Blumen.

Das sprach sich schnell herum, und Valentin wurde

zum Hoffnungsträger der Liebenden. Immer wieder hat er verzweifelte Liebespaare heimlich getraut: Manche waren darunter, deren Eltern die Heirat nicht erlaubt hatten; und es waren auch Soldaten dabei, die per Gesetz nicht heiraten durften. Diese ungesetzlichen Trauungen flogen eines Tages aber auf. Valentin wurde verhaftet, vor den Kaiser geführt und hingerichtet.

In Italien hielten sich noch lange viele Valentinsbräuche: etwa der, dass die jungen Männer eines Ortes am Valentinstag per Los bestimmten,  welches Mädchen sie an diesem Tag ausführen durften; es gab auch Gegenden, in denen die jungen Männer sehr vorsichtig waren, wenn sie das Haus verließen. Denn das erste Mädchen, das einem am Valentinstag begegnete, so sagte es der Brauch, würde man heiraten.

All dies entstand auf dem Hintergrund des Lebens eines Kirchenmannes, der sein Leben gab, weil er die Liebe von zwei Menschen ernster nahm als Gesetzesvorschriften.

Valentin hat so gelebt, wie Jesus es vorgegeben hatte. Jesus hat sich wirklich hingegeben und wirklich geliebt. Niemand von uns kann jemals so viel Liebe geben wie Jesus. Aber weil Jesus es uns vorgelebt hat, können wir es da oder dort versuchen - können ansatzweise so werden, wie er es war.

Daran muss sich auch jede Kirchengemeinde messen lassen. Die Leitfrage, die sie zu beantworten hat, heißt: Wie viel Liebe, wie viel Freundlichkeit fließt in unserer Kirchengemeinde? Wie viel Liebe, wie viel Freundlichkeit kommt durch unsere Kirchengemeinde, in die Welt? Zu wie viel Liebe, wie viel Freundlichkeit sind alle Evangelischen in unseren drei Teilorten fähig?

Eine Rose habe ich uns mitgebracht. Sie blüht seit August, war noch immer nicht verblüht, bis der Orkan kam.

Diese momentan nicht ganz so frische Rose, passt wunderbar zu unserer Kirchengemeinde. Sie macht mir Mut. Denn neben dieser ehemaligen Blüte, aber am gleichen Rosenstock, haben sich neue Knospen entwickelt. Die versprechen mir: Neue Rosen werden blühen.

Im Blick auf unsere Kirchengemeinde sagt mir das: Auch wenn manches seine beste Zeit hatte, es kommt immer wieder Neues, Schönes nach. Auch eine Kirchengemeinde lebt, wie die Natur, vom Wechsel zwischen Werden und Vergehen. Und so wie eine Pflanze auch im Winter immer noch lebt, so ist es mit unserer Kirche.

Auch wenn der Kirche in diesen Jahrzehnten der Gegenwind mächtig ins Gesicht bläst, sie wird weiterhin Früchte bringen.

In diesem Vertrauen sind wir als Kirchengemeinde unterwegs durch die Zeiten. Und immer wieder schenkt Gott uns Momente, von denen wir sagen dürfen: Hier berühren sich gerade Himmel und Erde.

Amen.