Gedanken zum Sonntag, 5. April 2020:

 

Jetzt sind es schon drei Wochen. Drei Wochen, die sich zum Beginn des Jahres niemand von uns hätte ausmalen können. Geschweige denn wollen.

Je nachdem, wie wir es betrachten: drei Wochen im Gefängnis oder drei Wochen in Sicherheit. In Sicherheit, so wie seinerseits Noah und seine Familie in der Arche.

Ein zweites biblisches Bild fällt mir ein:

Jona im Bauch des Wals. Von einer Sekunde auf die andere verschluckt. Und damit gleichzeitig vor dem sicheren Tod durch Ertrinken gerettet.

Und da ist sie wieder, diese Doppelung von Eingesperrt-Sein und Sicherheit. Wie in der Arche so auch im Bauch des Wals. Wobei es die acht Menschen wohl gemütlicher hatten.

Jona: Drei Tage und drei Nächte, so die Bibel, war er dort gefangen. Sicher war er am Anfang verzweifelt. Frustriert. Zornig. Aber er hat die Zeit des Eingesperrt-Seins auch genutzt. Er nahm sich Zeit zum Beten, und es war für alles Raum: Klage, Angst, Verzweiflung. Ob Jona auch darüber nachdachte, wie er bisher gelebt hatte? Es kann gut sein.

Irgendwann spuckte ihn der Wal wieder aus. Jona sah sein Leben und seinen Weg mit einem Mal in einem neuen Licht. Nun konnte er tun, was Gott von ihm erwartete.

Dieser Gott hat uns nicht die Corona-Pandemie geschickt. Was weltweit an Leid geschehen ist und geschehen wird, ist nicht Gottes Wille, geschweige denn Gottes Strafe. Und es wäre ein furchtbarer Zynismus, angesichts zig Tausender Toten einen Sinn suchen zu wollen!

Einen Sinn können wir allenfalls der WARTE-ZEIT geben, in der wir alle stecken.  Vielleicht entdecken wir, dass es auch etwas langsamer geht, dass die Ziele etwas niedriger sein dürfen und unser Freizeitwahn etwas bescheidener ausfallen kann. Das wird wichtig sein, wenn wir wieder ein wenig normaler leben können.

Und jetzt? In den nächsten Wochen?

Ich habe in meiner 9. Klasse eine Ideen-Sammlung gegen den Corona-Frust in Auftrag gegeben. Herausgekommen sind über 40 verschiedene Ideen. Die folgende Idee einer 15-jährigen Schülerin hat mich besonders beeindruckt, sie schreibt folgendes: „Man kann sich in dieser Zeit zum Beispiel etwas aneignen, was man schon immer üben oder ausprobieren wollte und nie den passenden Zeitpunkt dazu gefunden hat. Den eigenen Interessen nachgehen und sich Gedanken darüber zu machen, was man früher gerne gemacht hat und es eventuell in Vergessenheit geraten ist. Meiner Meinung nach können trotz aller seltsamen Geschehnisse auf der Welt, positive Dinge daraus resultieren. Wir haben alle nun genug Zeit, uns selbst etwas Gutes zu tun.“

Selbst wenn unsere Zeit im Bauch des Fisches noch einige Wochen dauern sollte: Auch diese Zeit ist Lebens-Zeit, von Gott geschenkt. Wir müssen sie nicht träge absitzen. Wir können still werden. In uns hinein hören. Und da und dort eröffnen sich mit einem Mal Raum für Neues. Unser eingeschränktes Leben – es ist immer noch schön.

GOTT SEI DANK!