Gedanken zum Gründonnerstag und Karfreitag 2020:

 

So viele Einschränkungen – wir müssen in diesen Wochen einiges an Opfern bringen!     Dass wir das manchmal beklagen, ist berechtigt. Aber ich will nicht beim Blick in den Spiegel stehen bleiben

Lasst uns den Blick auf einige Opfer des Virus richten:

Da sind zum Beispiel unsere Verstorbenen - ihnen bleibt auf ihrem letzten Weg jegliche öffentliche Würdigung versagt. Und ihre Angehörigen dürfen nicht den Trost spüren, mit dem einem eine große Trauergemeinde den Rücken stärken kann. Die Alten und Schwachen fallen mir ein, die isoliert werden sollen (wirklich nur zu ihrem Schutz oder damit das ganze System schnellstmöglich wieder hoch fahren kann?). Es sind wahrhaft harte Opfer, die da gebracht werden müssen.

Jemand hat mir in einer Mail eine weitere Gruppe von Menschen ans Herz gelegt, die in dieser Zeit große Opfer bringen: „Die, die nicht so behütet und beschützt sind und die sich jeden Tag für uns in die Fluten stürzen müssen: in der Pflege, im Krankenhaus, oder im Verkauf.“ – Wie wahr! Und diese Menschen bringen nicht nur Opfer - sie setzen für uns ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel.

Das eigene Leben aufs Spiel gesetzt um der anderen willen, das hatte auch Dietrich Bonhoeffer. Und er hat dabei sein Leben verloren: An diesem Gründonnerstag vor genau 75 Jahren wurde er von den Verbrechern des Nazi-Regimes erhängt. Seine letzten Worte waren: „Dies ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.“

Welch ein unglaubliches, fast übermenschliches Glaubensbekenntnis unter dem Galgen! Eine Gewissheit aus einem unerschütterlichen Glauben an Jesus. An Jesu Tod am Kreuz erinnert uns der Karfreitag – an ein Opfer, das mit keinem anderen Opfer in der Geschichte der Menschheit vergleichbar ist.

Jesus hat das Leid nicht gesucht; auch nicht danach gestrebt, dieses größtmögliche Opfer zu erbringen.  „Vater, ist’s möglich, so lass diesen Kelch an mir vorübergehen“, hat Jesus gebetet.  Aber der Kelch ging nicht an ihm vorbei.

Wenn auch wir in dieser Zeit aus dem einen oder anderen Kelch trinken müssen, erwartet Gott auch von uns keine Jubelstürme. Aber wir können Gott bitten um Gelassenheit und um die Fähigkeit, unsere Opfer einzuordnen in den ganz großen Zusammenhang.

Der sagt uns: Das größte Opfer ist bereits gebracht worden – vor langer, langer Zeit an einem Kreuz auf dem Hügel Golgatha. Und für euch 2000 Jahre danach wird es nicht beim Leid bleiben. Es bleibt nicht beim Tod. Es bleibt nicht beim Karfreitag. Nach dem Dunkel wird ein neuer Morgen unser Leben hell machen.

GOTT SEI DANK!