Gedanken zum Sonntag, den 19. April 2020:

 

Gespannt haben viele von uns in dieser Woche gewartet: Ob es Lockerungen gibt? Ob wir unsere Freiheiten zurückbekommen? Ob vielleicht sogar das Ende des Ganzen in Sicht kommt?

Gott hat in diesen Wochen zumindest einige unserer Politikerinnen und Politiker mit dem Geist der Besonnenheit gesegnet, die Virologen sowieso. Und so haben sie uns informiert über das „zerbrechliche Zwischenergebnis“ und darüber, dass das Kontaktverbot bleibt.

Es gibt nicht wenige, die haben auf mehr gehofft. Vielleicht weil es noch nicht alle erfasst haben, welch Drama sich da gerade über die Weltbühne ergießt und auf der Südhalbkugel unseres Planeten sich noch ereignen kann.

Wir sollen also weiter daheim bleiben. In freiwilliger Quarantäne: ein Begriff mit dem Potenzial zum (Un)Wort des Jahres. Die Bibel bietet uns schönere Bilder, sie sind vielen von uns mittlerweile zu vertrauten Wegbegleitern geworden: zum einen die Arche – und zum anderen Jona im Bauch des Wals.

Und da sind wir immer noch drinnen: im Bauch des Wals. Wir warten. Auf den Moment, in dem der Wal uns wieder ausspucken wird; auf den Moment, in dem unsere Füße wieder den festen Boden spüren werden; auf einen normalen Alltag. Wann wird das sein?

Auch Jona wurde nicht sofort wieder ausgespuckt. Drei Tage und drei Nächte war er im Dunkeln –  ohne jegliche Zerstreuung: ohne Handy, ohne E-Mail, ohne Netflix, ohne Spaziergang, ohne Einkauf im Supermarkt. Und was machte er? Er betete – und er dachte nach. Über seine bisherigen Wege; über das,

was ihm bis dato wichtig war; und wohl auch darüber, wie er künftig leben wollte.

Kann es sein, dass auch wir unserer Zeit im Bauch des Wals diesen Sinn geben können? Als Zeit der Nachdenklichkeit, des Innehaltens, ja, vielleicht auch der Umkehr?

Nicht, dass Corona selbst einen Sinn hätte! Corona hat keinen Sinn, sondern bringt Leid, Unglück, Krankheit, Tod und Tränen. Corona hat keinen Sinn. – Aber unsere Aus-Zeit in diesen Wochen, sie könnte in der Tat einen Sinn erhalten, wenn wir sie nutzen zum Nachdenken über unser Leben vor und nach Corona.

Vieles vermissen wir in diesen Tagen, ja. Aber vielleicht wird uns auch manches in den Sinn kommen, das wir – überraschenderweise – überhaupt nicht vermissen! Es könnte sein, dass wir irgendwann im Rückblick auf diese Aus-Zeit auch sagen werden: „Diese merkwürdige Zeit hat mir gut getan. Sie war für mich wie eine neue Brille und hat mich unterscheiden gelehrt zwischen dem, was ich brauche, und dem, was ich lassen kann.“

Auch die nächste Woche im Bauch des Wals ist eine von Gott gesegnete Zeit!