Gedanken zum Sonntag, den 26. April 2020:

 

Wir sind vorsichtig geworden, wenn wir einander begegnen. Ist es noch ein Begegnen? Oder eher schon ein Aneinander-Vorbeigehen?

1,50 bis 2 Meter: Wir erleben, welch eine bedrückend große Distanz das ist.

Sie ist lebensnotwendig geworden. Es geht nicht anders. Es ist nicht

die Zeit der Nähe.  Alles hat seine Zeit: „Umarmen hat seine Zeit – Loslassen hat seine Zeit.“ (5,5)  Wie aktuell diese 2500 alten Bibelworte aus dem Buch Prediger in diesen Wochen doch geworden sind!

Nähe – ansonsten ein unverzichtbares Lebenselixier – ist zu etwas geworden, das Leben gefährden kann. Wir müssen uns umstellen. Das braucht Zeit. Und es braucht Barmherzigkeit in unserem Umgang untereinander.

Manche haben Angst vor Begegnungen.  Sie verbergen die Angst, weichen oft ganz dezent zurück. Und haben Angst, durch ihre eigene Abwehrhaltung den Mitmenschen vor den Kopf zu stoßen. Vor allem, wenn es sich um Menschen aus dem näheren Umfeld handelt.

Und manche haben weniger Angst. Oder denken nicht daran. Oder sind zu sorglos. Mitunter begreifen sie nicht, warum jemand zurückweicht. Und manchmal fühlen sie sich verletzt - gerade wenn es Freunde sind, die auf körperliche Distanz zu ihnen gehen.

Aber diese Ängste müssen niemanden verletzen. Wer dir mit Angst begegnet, der hat nicht Angst vor dir. Dieser Mensch hat Angst vor einem Virus, dessen Tücke darin besteht, dass er weder sichtbar noch sonst wahrnehmbar ist.

Deshalb: Lasst uns einander nicht wahrnehmen als eine mögliche Bedrohung. Lasst uns nicht in eine noch härtere Quarantäne gehen: in die der Menschenangst und Einsamkeit.

Lasst uns stattdessen allen unseren Mitmenschen den warmen, freundlichen Blick schenken; einen Blick, der im Gegenüber den Bruder und die Schwester erkennt. Einen Blick, der uns den Mit-Menschen als Mit-Geschöpf Gottes erkennen lässt.

Du und ich und wir alle – wir sind Ebenbild Gottes, des Vaters, gewollt mit all unseren Stärken und Unzulänglichkeiten, mit all unserer Sehnsucht nach Glück und mit all unseren Dunkelheiten, die niemandem zugänglich sind.

Du und ich und wir alle – wir sind Ebenbild Gottes, des Christus, verletzlich wie er, mit Angst vor Leiden und Krankheit, und gerade deshalb gehalten in der Hand dessen, der stärker ist als alle Viren und Krankheiten dieser Erde.

Du und ich und wir alle – wir sind Ebenbild Gottes, des Heiligen Geistes, fähig zu so unglaublich viel Gutem, begabt mit Hoffnung und Phantasie, beflügelt vom Geist der Kraft, und der Liebe und der Besonnenheit.