Liebe Gemeinde,

heute wäre Konfirmation.

Jetzt um diese Zeit würden wir einziehen. Ihr jungen Menschen würdet

euren Konfirmationsspruch bekommen, eingesegnet werden und nach dem Abendmahl würden acht Familienfeste beginnen.

Es ist sehr, sehr schade, dass das nun ganz anders ist.

Vielleicht ist die wichtigste Erfahrung aus dieser Corona-Zeit die, dass uns wieder einmal etwas deutlich vor Augen geführt worden ist, was wir so gerne vergessen: nämlich dass wir – bei allem Planen – es nicht selbst in der Hand haben, ob alles so kommt, wie wir es geplant haben.

Oft meinen wir nämlich, dass Planen bedeutet: Wir legen heute fest, was in der Zukunft passieren wird. – Das kann man oft, aber nicht immer – wie wir alle merken mussten. Berlinausflug, Pfingsturlaub, Schwedenaustausch, Hamburgtrip, Sommerzeltlager: alles nicht möglich und gestrichen. So sah das bei uns aus, uns in anderen Häusern wird das ähnlich sein.

Hier habe ich unser „Glöckl“ mit der Terminseite, alles gilt nicht mehr. Gleiches gilt für meinen Kalender. So gut wie kein Termin ist geblieben.

Mich erinnert das an einen meiner Lieblings-Bibelsprüche aus dem Buch Prediger: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“

Wir haben es nicht in der Hand, was die Zukunft bringt, liebe Gemeinde. Die liegt in der Hand eines anderen.

Da taucht dann vielleicht eine Frage in manchen von euch und Ihnen auf, nämlich: Steckt denn auch Gott hinter Corona? Manche konservative Kirchenleute reden so. Ich glaube das nicht. Wenn Gott durch Krankheiten strafen wollte, dann würde die Erde seit Jahrhunderten von einer Pandemie in die nächste schlittern.

Gott will Gutes für uns, Gott will, dass wir glücklich leben können. Die Corona-Sache dürfen wir Gott nicht in die Schuhe schieben, da liegt die Schuld bei Menschen, wie genau, wird vielleicht nie ans Tageslicht kommen.

Aber wir wollen eines nicht vergessen: Wir können heute wieder Gottesdienst feiern. Das ist der erste Schritt zurück auf den Weg in den Alltag, auf den Weg zur Konfirmation, auf den Weg zu einem Gemeindeleben und zu unserer Aufgabe, andere Menschen mit Hoffnung und Lebensfreude anzustecken.

Doch lasst uns diesen einen Gedanken mitnehmen in die nächste Zeit: „So hochentwickelt wir auch sind – wir können es nie sagen, was der nächste Tag bringt.“

Wenn wir in all unserem Tun und Planen ab und zu die Hände falten und beten „Gott gib zu all meinen Plänen deinen Segen“ – das ist sicherlich nicht falsch.

Amen.