Liebe Gemeinde,

mit dem Pfingstwunder in Jerusalem, als plötzlich alle Menschen trotz verschiedener Sprachen einander verstanden, beendete Gott eine Strafe, die er nach dem Zeugnis der Bibel den Menschen auferlegt hatte, die

mit dem Turmbau zu Babel sich selbst hatten ein Denkmal setzen wollen, den Menschen allein in den Mittelpunkt gestellt und vollkommen ausgeblendet hatten, dass sie doch alles Gott verdankten. Die Antwort Gottes war damals die Sprachverwirrung unter den Menschen.

Die wurde zwar damals mit jenem legendären Pfingstfest in Jerusalem  aufgehoben – aber so ganz überwunden ist sie bis heute nicht, denken wir nur an die so unterschiedlichen Aussagen von Politikern, Medizinern, Talkshow-Gästen, wenn die sich in den letzten drei Monaten zur Pandemie geäußert haben. So eine Sprachverwirrung kann äußerst schlimme Folgen nach sich ziehen, bis dahin, dass man in Thüringen so weit ist, die Corona-Pandemie mehr oder weniger als beendet zu erklären.

Im Vergleich zu heute waren in Babel die Folgen der Sprachverwirrung harmlos, nämlich: Die Menschen mussten aufhören, an ihrem großen Bauwerk zu arbeiten. Der große, große Turm, den sie sich selbst und ihren Fähigkeiten zum Zeichen setzen wollten, der blieb unvollendet.

Nun wurden in den letzten zwei Jahrtausenden immer wieder und überall Türme gebaut. Türme aber nicht zu Ehren der Menschen, sondern allein zu Gottes Ehre. Einer davon ist nur wenige Meter von uns entfernt, und wie Sie sich sicher denken können, meine ich unseren Kirchturm.

Kirchtürme, sie gehören zum Landschaftsbild ganz Europas. Und einen der schönsten, höchsten und beeindruckendsten in dieser Gegend, den haben wir. Dieser wunderschöne Kirchturm, er wurde vor fast 150 Jahren gebaut von Menschenhand zu Gottes Ehre.

Von weitem schon erkennen wir den 53 Meter hohen Turm – und uns, die wir hier am Ort wohnen, sagt er: „Hier gehörst du her, hier ist deine Heimat, hier ist für dich gesorgt.“

Wie jeder andere, weist auch unser Kirchturm weg von sich, senkrecht nach oben. Wenn wir ihm folgen, dann zieht es unseren Blick weg von der Erde, weg von uns Menschen. Der Turm zeigt nach oben, hin zu Gott. Jeder Kirchturm ist ein Zeigefinger zu Gott.

„Gebt allein Gott die Ehre“, ruft der Kirchturm uns zu.  Hoch über unserem menschlichen Tun, weit über all unserem Freuen und Ärgern, Lieben und Leiden stand und steht dieser Turm und erinnert uns daran, dass auch wir das können und sollen: auf Gott hinweisen.

Auch wir kleinen Menschen, auch wir sind dazu berufen, nach oben zu zeigen.

Mit unserem ganzen Leben,

mit allem, was wir denken,

mit allem, was wir sagen,

mit allem, was wir tun,

sollen wir zeigen und hinweisen auf Gott.

WIR SIND KIRCHTÜRME GOTTES!

Gott nimmt uns in Dienst, damit wir wie jeder Kirchturm Zeugnis ablegen von Gottes Wirklichkeit und davon, dass wir mit Gott rechnen.

Und gerade in diesem Jahr, liebe Gemeinde, braucht es uns Christen, Jung und Alt, damit wir den vielen verunsicherten und verängstigten Menschen die Pfingstbotschaft sagen können Gott ist in der Welt – und Gott lässt uns nicht im Stich.

Amen.