Liebe Gemeinde,

die Schriftlesung hat uns von dem großen Wunder erzählt, das Petrus bei seiner ersten Begegnung mit Jesus erlebt hat. Obwohl er und seine Kollegen die ganze Nacht nichts gefangen hatten, obwohl mittlerweile Mittagszeit ist, zu der kein Mensch zum Fischen hinausfährt – trotzdem fährt Petrus hinaus und das Wunder nimmt seinen Lauf.

Toll, wie Petrus dem Jesus glaubte, ihm vertraute und nachfolgte. Aber das fanden sicherlich nicht alle gut.

Zum Beispiel erzählt die Bibel, dass Petrus verheiratet war. Wie mag das wohl für die Frau des Petrus gewesen sein, als Petrus mit Jesus wegging? Der geht da einfach mit dem Fremden und lässt sie und die Kinder alleine. Auch die Kollegen des Petrus werden erstaunt gewesen sein: Der lässt alles zurück – sein Boot, die Netze, vielleicht auch Schulden. Und die Eltern von Petrus, was werden sie empfunden haben, als ihr Sohn einfach ausstieg aus seinem bisherigen Leben?

Jesus nachfolgen - für Petrus hieß das DAMALS: mit dem bisherigen Leben brechen, alles aufgeben und mit Jesus bis zum Ende mitzugehen. Und so haben in den letzten 2000 Jahren viele sich ganz radikal von allem getrennt, um Jesus nachzufolgen. Ich bewundere diese Menschen: Mutter Theresa gehört dazu, Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen, auch vor Mönchen, Nonnen und katholischen Priestern, die um der Nachfolge Jesu willen auf sehr, sehr vieles verzichten.

„Folge mir nach“ – spätestens seit unserer Konfirmation oder Firmung gelten Jesu Worte auch für uns.

Von uns, hier und heute, verlangt Jesus entschieden weniger Verzicht. Niemand muss sein bisheriges Leben aufgeben, niemand seine Arbeit an den Nagel hängen, niemand sich von seiner Familie trennen. Umso mehr steht dieses „Folge mir nach“ über jedem Tag unseres Lebens. Ich glaube nicht, dass es reicht, einmal im Leben Ja zu sagen zu Jesus. Jeder Tag stellt uns vor die Entscheidung: Welchem Herrn folge ich?

Das hat auch sein Gutes: Jeder Tag ist eine neue Chance, einen schlechten vergessen zu machen. Jeden Tag darf ich einen neuen Anlauf starten, um Jesus nachzufolgen. Manches gelingt dabei, und manches nicht. Gerade beim Misslingen, wenn wir wieder einmal in Verhaltensweisen zurückfallen, die sich mit der Nachfolge Jesu absolut gar nicht in Verbindung bringen lassen – gerade dann sollten wir auf Petrus schauen: Der hat nämlich auch ganz schön versagt, immer wieder. Er hat Jesus sogar verleugnet, und doch war es Petrus, dem Jesus nach seiner Auferstehung den Auftrag gab: „Weide meine Schafe!“

Jesus hat zu Petrus nie gesagt: „So, das war’s jetzt, du Versager!“ Schon bei jener ersten  Begegnung hat Jesus Petrus ermuntert: „Fahr noch einmal hinaus! Probier’s noch mal!“

Das ist ein ganz wichtiges Leitwort für uns Christenmenschen: „Probier’s noch mal!“ Denn manchmal scheint alles für die Katz. Da sagen wir: „Herr, ich habe mir so viel Mühe gegeben, und ich habe nichts bewirkt.“ „Herr, jetzt wollte ich mich wirklich so verhalten, wie du es gesagt hast, und habe doch wieder alles verbockt.“ „Herr, ich habe mir den Mund fusselig geredet, und es geht zum einen Ohr rein und zum anderen raus.“ Das sind Zeiten, in denen wir die Flinte ins Korn oder sonst wohin werfen wollen. Und dann sagt Jesus: „Mach’s noch mal. Probier’s noch mal.“

Probier’s noch mal - weil selbst Petrus immer wieder eine weitere Chance bekommen hat. Eben dieser Petrus, der als einfacher Fischer von Jesus berufen wurde und ein so wichtiger Glaubenszeuge wurde.

Über seinem Grab in Rom steht bis heute der Petersdom – ein Zeichen der Pracht und Macht. Er erinnert vor allem an einen Menschen, der in Jesu Nachfolge oft versagte und doch immer eine neue Chance bekam.

 „Probier’s noch mal“, hat Jesus zu ihm gesagt. „Probier’s noch mal.“ Das dürfen auch wir mitnehmen in die neue Woche. Wenn dein Glaube wackelt, gib nicht auf. Wenn du fragst, ob sich das alles lohnt, gib nicht auf. Wenn du an deinem eigenen Kleinglauben verzweifelst, verlier nicht die Geduld.

„Probier’s noch mal.“

Amen.