Liebe Gemeinde,

das waren ja keine schönen Monate, die wir da seit dem März erlebt haben. Abgeschlossenheit, Mund-Nasen-Maske, Ansteckungsgefahr, viele konnten nicht mehr arbeiten, Menschen konnten sich nicht mehr treffen, im Alltag stets so eine merkwürdige Angst im Hintergrund – all das hat ziemlich getroffen.

Was hat uns geholfen in der ganzen Zeit? Da waren zum einen

unsere Mitmenschen: die, mit denen wir zusammenleben, und auch unsere Freunde und Bekannte – und all diese Menschen  haben uns davor bewahrt, zu vereinsamen. Zum anderen war natürlich wichtig, dass wir die Hoffnung nicht verloren haben und die Zuversicht, zwei wunderbare Gottesgaben. Welch ein Geschenk sind in solchen Zeiten Optimisten!

Von einem Optimisten erzählt auch die nun folgende Geschichte eines mir unbekannten Verfassers. Ich habe diese Geschichte in einer Arztpraxis gefunden und sofort abfotografiert, weil ich sie so wunderbar finde:

Es waren einmal Zwillinge, die glichen sich äußerlich wie ein Ei dem anderen. Ansonsten waren sie aber vollkommen verschieden. Wenn es dem einen zu heiß war, war es dem anderen zu kalt. Wenn der eine sagte: “Die Musik ist zu laut”, wollte der andere die Musik noch lauter. Und der auffälligste Unterschied zwischen den beiden war der, dass der eine von ihnen zu jeder Stunde optimistisch und zuversichtlich war, während sich der andere immer schlecht gelaunt und pessimistisch gab. 

Als sie nun eines Tages Geburtstag hatten, wagte der Vater der Zwillinge ein Experiment: Er wartete am Vorabend des Geburtstages so lange, bis seine Söhne eingeschlafen waren, und machte sich dann heimlich ans Werk. 

Er füllte das Zimmer des Pessimisten bis unter die Decke voll mit den schönsten Geschenken: Spielzeug, Sportgeräte, technische Geräte und vieles mehr. Dem Optimisten aber legte er nur einen stinkenden Haufen Pferdeäpfel ins Zimmer – sonst nichts. Nun war er gespannt, was passieren würde. 

Am nächsten Morgen schaute der Vater zuerst ins Zimmer des Pessimisten. Er fand ihn laut klagend am Boden sitzen, inmitten der ganzen wundervollen Geschenke. “Warum weinst du denn?” fragte der Vater. “Erstens, weil meine Freunde neidisch sein werden, zweitens, weil ich die ganzen Gebrauchsanleitungen lesen muss, bevor ich mit den Geschenken etwas anfangen kann, drittens, weil ich für die meisten dieser Spielsachen ständig neue Batterien brauchen werde und viertens, weil im Lauf der Zeit bestimmt ein paar von den Spielsachen kaputtgehen werden!” 

Darauf ging der Vater in das Zimmer des optimistischen Zwillings. Dieser hüpfte vor Freude um die Pferdeäpfel herum. 
“Warum bist du denn so fröhlich?” fragte der Vater. “Ganz einfach”, antwortete dieser “weil irgendwo im Haus ein Pony sein muss!” 

Diese Geschichte spricht für sich. Welch eine Gottesgabe ist es, immer wieder und auch in dunklen Momenten die schöne Kehrseite der Medaille sehen zu können! Möge Gott uns allen auf dem Weg durch die Zeiten unsere Zuversicht bewahren.

Amen.