Liebe Gemeinde, und ganz besonders: liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

eure Konfirmandenzeit war bis Mitte März davon gekennzeichnet, dass ihr ein sehr aktiver Jahrgang wart, der es mit dem Kopf hatte, mit den Beinen und vor allem den Händen.

Ihr hattet es mit dem Kopf, zum Beispiel im Konfirmandenunterricht. Ihr habt

gut mitgemacht, vor allem selbstständig weitergedacht und habt durchaus eigene, manchmal recht überraschende Gedanken eingebracht. Ein guter Jahrgang.

Ihr hattet es auch mit den Beinen. Beim Glöckl-Austragen zum Beispiel; oder bei der Erntedanksammlung; oder ganz besonders beim Konfi-Cup im letzten Herbst. Unvergesslich, wie ihr im Finale gekämpft habt, natürlich taktisch bestens eingestellt, und dann hattet ihr auch noch die besseren Nerven im Siebenmeterschießen und habt den Konficup nach Bische geholt – das war sensationell! Und fast wäre es ja auch im Landesfinale noch sehr weit gegangen.

Und dann hattet ihr es auch mit den Händen: Die habt ihr gebraucht fürs Glöckl, fürs Zusammenlegen der 1100 Wahlbriefe, zum Brot backen zu Gunsten der Bahnhofsmission. Und mit euren Händen habt ihr auch das jahrzehntelang vergessene Ehrengrab des 1906 verstorbenen Pfarrers Pfeifer freigelegt.

„Mit Herzen, Mund und Händen“ – so werden wir nachher singen und so wart ihr auch bei der Sache, ein dickes Lob von eurem Pfarrer für einen kleinen, aber feinen Jahrgang.

Euer Geleitwort als Konfirmationsjahrgang hatte auch mit den Händen zu tun. Es ist ein alter Text, in Gänze ist er auf dem Gottesdienstblatt abgedruckt: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände“, steht da am Anfang.

Natürlich werdet ihr euer Leben lang, wenn ihr von eurer Konfirmation erzählt, auch von Corona erzählen. Aber erinnert euch bitte auch immer an die Überschrift über euer Konfirmandenjahr: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände.“

Es genügt nicht, wenn wir die Hände in den Schoß legen und sagen: „Der liebe Gott wird’s schon richten.“ Der liebe Gott pfeift uns eins und sagt: „Wozu habe ich dir Hände gegeben? Tu erst mal selbst etwas. Aber wenn ich sehe, DASS du etwas tust, dann gebe ich meinen Segen dazu und helfe dir.“

Gott und Mensch, Hand in Hand – so geht’s, und nicht anders. Beispiel Corona: Es ist zu wenig, zu Gott zu beten „Lass diese Seuche wieder vorbeigehen“, wenn wir selbst nichts dazu tun. Nur wenn wir selbst vernünftig sind und uns selbst schützen, kann uns auch der liebe Gott schützen. Aber gegen menschliche Dummheit und Größenwahn ist auch Gott machtlos.

Wie soll denn der liebe Gott Menschen beschützen, wenn in Fußballstadien Zigtausende nebeneinander sitzen und einander infizieren? Was soll Gott machen, wenn immer noch Menschen gegen Einschränkungen demonstrieren und infiziert heimkommen? Oder wenn unbedingt auch dieses Jahr Jahrmarkt gefeiert werden muss? Gottvertrauen ersetzt weder Maske noch Mindestabstände – und schon gar nicht Verstand.

Christus hat keine Hände – und deshalb müssen wir einiges selbst dafür tun, dass wir und die anderen gut leben können. Nicht nur die anderen Menschen, sondern alle Geschöpfe. Deshalb ist es gut, dass eure Altersgruppe sich besonders für „Fridays for Future“ engagiert.

„Christus hat keine Hände, nur unsere Hände.“ Gott braucht also unsere Mitarbeit und Vorarbeit. Das heißt aber nicht, dass wir alles alleine tun müssen. Es gibt Situationen, in denen unsere Hände gar nichts mehr bewirken können, in denen unseren Füßen jeder Weg zu beschwerlich wird oder in denen über unsere Lippen kein Wort mehr kommt.

Das sind Momente, die auch euch in eurem Leben begegnen werden. Momente, in denen Gott dann in euer Leben eingreift, manchmal deutlich, manchmal unbemerkt, aber im Rückblick immer wahrnehmbar.

Ein letztes noch: In dem Gedicht heißt es am Ende: „Christus hat keine Lippen – nur unsere Lippen… Wir sind die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit noch liest.“ Ihr habt ja selbst gemerkt, wie leer die Kirche oft war, wie wenige Menschen manchmal zum Gottesdienst gingen. Das wird sich noch verstärken. Und eure Generation wird diejenige sein, an der sich entscheidet, ob Kirche und Glaube in unserem Land noch überleben werden. Eure Generation - damit tragt ihr große Verantwortung.

Aber selbst wenn ihr es in hohem Alter noch eines Tages erleben müsstet, wie die letzte Kirche in unserem Land schließt, eines bleibt uns immer erhalten: die Güte Gottes. Selbst wenn der Glaube an Gott aussterben wird – Gottes Gnade wird weiterwirken in eurem jetzt noch so jungen Leben.

Dass ihr in vielen Momenten eures Lebens Gottes Nähe spürt und dass Gott euch segnet, immer und überall – ich wünsche es euch von Herzen.

Amen.