Die Nikolauskapelle in Hausgereut ist die kleinste Kirche oder Kapelle unserer Kirchengemeinde.

Am 27. und 28. Mai 1989 feiert die Kirchengemeinde die 700-Jahrfeier des Kirchleins in Hausgereut. Bei allen Nachforschungen nach der Vergangenheit dieses schlichten, ehrwürdigen Bauwerks stößt man auf die Erwähnung der drei ältesten Kirchspiele unseres Raumes: Scherzheim, Rheinbischofsheim und Kork.

Unsere Kirchen vor der Reformation:

Aus: Geschichte des badischen Hanauerlandes unter Berücksichtigung Kehls, Dr. J. Beinert, Kehl 1909 S. 116f:

„Früh schon wurden in den Orten des Korker Kirchspiels verschiedene Kapellen gegründet, so in Hausgereut und in Sand. 1288 war die alte Hausgereuter Kapelle längst wieder zerfallen. In diesem Jahr stiftete der Straßburger Kanonikus und Rektor der Pfarrkirche zu Kork Albert von Schalmozingen mit Willen des Chorsängers Rudolf von Chalmezingen zum Seelenheil des Abtes Konrad von „Chalmezingen“ Güter zur Neuerrichtung der Kapelle, da die Einwohner des Dorfes „husgerute“ wegen der Entfernung von Kork und der Schwierigkeit des Weges nicht dem hl. Messamt beiwohnen, noch ihre Kleinen in der Pfarrkirche taufen lassen könnten. Der Konvent des Klosters Eschau und Heinrich von Lichtenberg, Kanonikus in Straßburg, waren mit der Stiftung einverstanden mit dem Hinzufügen, daß täglich in der neuen Kapele die hl. Messe zelebriert werden müsse.

Zur Kirche im 13. Jahrhundert

Als im Jahr 1288/89 in Hausgereut die Kapelle errichtet wird, hat die Kirche in Europa ein bewegtes Jahrhundert hinter sich. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts hatten die Päpste ihre Machtposition immer mehr ausbauen können. Der Einfluß der weltlichen Mächte ist ausgeschaltet, der Papst tatsächlich der unumschränkte Herr der Kirche: in ihm werden alle kirchlichen Kräfte des Abendlandes einheitlich zusammengefaßt. Das Mönchtum entwickelt eine Fülle verschiedener Formen und betätigt sich in den verschiedensten Richtungen des Kulturlebens. In der Scholastik gewinnt die Kirche ihren theoretisch-wissenschaftlichen Höhepunkt. Und in der Gotik kommt die kirchliche Kunst zu ihrem höchsten Ausdruck. Daneben sind für die volkstümliche Frömmigkeit charakteristisch der ungebrochene Wunderglaube (Heiligen-, Reliquien- und Bilderverehrung) und die starke seelische Erregbarkeit (Visionen, Massenerregungen wie Kreuzzüge und GeißeIzüge).