Ein Auszug aus der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Rheinbischofsheim

Im Text befinden sich einige Verweise auf weitere Informationen zu diesem Abschnitt diese sind mit einem Pfeil --> markiert. 
 

Unsere Kirchen vor der Reformation:

Aus: Geschichte des badischen Hanauerlandes unter Berücksichtigung Kehls, Dr. J. Beinert, Kehl 1909 S. 114f:
„Die Kirche zu Rheinbischofsheim hatte zu Schutzpatronen Johannes den Täufer und den Bischof Adelphus .

Von ihr haben wir erst 1429 eine Nachricht, als sie von den Straßburgern belagert und verbrannt wurde.   

1464 wird ein Pfarrektor angeführt. Zwanzig Jahre später, 1484, verkauft Nikolaus Lang an die Kirche von Bischofsheim Gülten und Zinsen auf Güter im Bischofsheimer Bann, ferner bei Quergen einen „acker ziehet uff die werehagk und uff den Jungen Muckenschopff nebent dem alten Muckenschopff.“

 

Einer der Geistlichen hatte in den unruhigen Zeiten Ludemanns IV. ein schlimmes Erlebnis. Die Stadt Straßburg ließ 1432 den „Ertzpriester“ von Bischofsheim gefangen nehmen und wegführen. Der Bischof Wilhelm von Diest befahl in einem Schreiben, denselben wieder ledig zu geben, da er „unredlich“ gefangen und ein Priester überhaupt nicht „pfantbar“ wäre. Möglicherweise handelte es sich um den alten Streit wegen des Holzzehnten.

1489 führte eben ein solcher Streit zu bedenklichen Folgen. Ein Dr. Thomas Wolf hatte die Pfarrpfründe erworben und forderte den Zehnten vom Hof. Als er ihn nicht bekam, erwirkte er den Bannspruch über Rheinbischofsheim und stellte alle gottesdienstlichen Verrichtungen ein. Als die Grafen Philipp von Hanau und Symon Wecker das Domkapitel baten, den Geistlichen zu bewegen, daß er die armen Leute „ausser Bann schaffe“, weigerte er sich trotzdem. Die Pfründe schien reichlich gewesen zu sein.

 

Im Jahre 1976, zum 100sten Geburtstag der Kirche, wurde ein Flyer erstellt :

Eine Frage beschäftigt immer wieder den Besucher von Rheinbischofsheim: Warum ist Kirche so groß geraten? 

Eine zweite Frage Stellen sich die Rheinbischofsheimer selbst: 
Warum war überhaupt ein Neubau nötig, tat es die alte Kirche nicht auch?

Um mit der zweiten Frage zu beginnen: Die alte Kirche musste, wie aus den Akten zu ersehen ist, in einem erbarmungswürdigen Zustand gewesen sein. Bereits im Jahr 1844 stellt Ministerialrat Bähr in seinem Vortrag über die kirchlichen Gebäude im Hanauerland aus Anlass einer Bereisung fest: „Die Kirchen fand ich im Ganzen wohl erhalten. Ein Neubau ist nur zu Bischofsheim Bedürfnis. Über den Platz, wohin die neue Kirche kommen soll, sind die Ansichten verschieden. Der Pfarrer und die Gemeinde wünschen, sie möge auf den Platz, wo das alte Schloß stand, das bereits zum größten Theile abgerissen ist, erbaut werden. Kostengründe sprachen aber für den bisherigen Platz, nur müßte man „bei der Größe der Gemeinde, die man in keinem Zimmer versammeln kann,‘ während der Bauzeit ein kostspieliges Notlokal bereithalten. Kostengründe waren es schließlich auch, die die Kirchengemeinde mit dem Neubau noch zögern ließen. Nach vielen Verhandlungen ging man endlich im Jahr 1872, also 28 Jahre nach der ersten Erwähnung, daran, den Neubau durchzuführen.

In einem Bericht der Evangel. Kirchenbauinspection Carlsruhe vom 6. September 1872 findet sich auch die Antwort auf die oben zuerst gestellte Frage, warum die Kirche so groß sei: Die gesetzlichen Bestimmungen von damals schrieben vor, daß sich die Größe der Kirche nach der Seelenzahl, also nach der Zahl der Evangelischen in der Gemeinde, zu richten habe. Damals hatte Rheinbischofsheim 1349 Seelen, Holzhausen 409 und Hausgereut 99, zusammen 1857 Seelen (übrigens kaum 100 weniger als heute!). Diese Zahl wurde mit 7/12 malgenommen, wonach also die Kirche 1085 Besuchern Platz bieten mußte.

Zur Form des Kirchbaus schreibt die Kirchenbauinspection: „ Wir haben eine Anlage gewählt, nach der die Sitzplätze möglichst nahe der Kanzel gelegt werden können und das Anbringen umfangreicher Emporen ermöglicht, dadurch wird die Kirche nicht zu groß (!) und namentlich nicht zu lang, was für das Verständnis der Predigt von Einfluß ist und die Baukosten ermäßigt. Ähnliche Anlagen wurden in den letzten Jahren, namentlich in Berlin, für mittelgroße Kirchen mehrfach mit Erfolg verwerthet. Der Mittelbau ist erhöht, um durch das günstig wirkende Oberlicht das Innere noch mehr zu erhellen.“ Die Ausführung sollte gemäß dem Wünsch des Kirchengemeinderats in Elsässer Sandstein erfolgen, „da die nächsten Badischen Brüche keine geeigneten Steine und höchstwahrscheinlich auch nicht in der genügenden gleichförmigen Menge ergeben.“

Die Bauarbeiten wurden dem Bauunternehmer Vollbrecht aus Straßburg übertragen, der auch die alte Kirche zum Preis von 2055 Gulden auf Abbruch ersteigerte. Das dadurch gewonnene Baumaterial wurde für das Fundament der neuen Kirche, für Gerüste und Bauhütten verwendet. Am 9. Juli 1876 konnte schließlich die neue Kirche eingeweiht werden. Die gesamten Baukosten beliefen sich nach einer Rechnung von 1875 auf 79.200 Gulden. Dank mancher Instandsetzung unter mehreren Pfarrern ist unsere Kirche in recht gutem Zustand. Sie möge noch lange zur Sammlung der Gemeinde und zur Ehre und zum Lob Gottes dienen.

Rheinbischofsheim, an Pfingsten 1976 
Jochen Plagge, Pfarrer

 

Im Jahre 2010 wurde der Flyer aktualisiert und überarbeitet

Ursprünge

Die Gründung einer Pfarrei in Rheinbischofsheim, damals Bischofsheim genannt, durch den Bischof von Straßburg, wird schon im 6. - 8. Jahrhundert erwähnt. Im Jahr 1218 wird ein Geistlicher namens Wernherus erwähnt; andere Namen sind Johannes von Utenheim (gest. 1326), um 1471 der Leutpriester Jakob Eisenbis und um 1489 Dr. Thomas Wolff, der den Bann über die Gemeinde verhängte, weil sie ihm den Holzzehnten verweigerte. Eine oder mehrere Kirchen werden in den folgenden Jahrhunderten vermutet, zumal die damalige Bauweise keine lange Lebensdauer der Bausubstanz erlaubte.

Mittelalter

Ab dem 12. Jahrhundert wurden nach und nach festere Kirchen errichtet, die auch mehr Platz boten. Die erste feste Kirche wurde im Jahre 1371 bezeugt. Im 15. Jahrhundert hatten die Bewohner von Bischofsheim sehr unter den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Ludwig IV. von Lichtenberg und der Stadt Straßburg zu leiden. So kamen am 1. März 1429 ungefähr 60 wehrhafte Bauern, die sich in der Kirche verschanzt hatten und eine Übergabe ablehnten, qualvoll in den Flammen um, als die Kirche in Brand gesteckt wurde. Das abgebrannte Gotteshaus wurde wieder aufgebaut.   --> Ein schwarzer Tag in der Geschichte von Rheinbischofsheim

Reformationszeit

Auch zur Zeit der Reformation erlebte unsere Kirchengemeinde eine wechselvolle Geschichte. Schon 1525 bekannte sich Graf Phillip III. von Hanau-Lichtenberg, Lehensherr von Bischofsheim, zur evangelischen Lehre. Ein Jahr später verordnete er die Abschaffung der Seelenmesse. Die Reformation ging nicht überall gleich schnell voran. Ein Grund dafür war, daß die bisher in einer Gemeinde tätigen Pfarrer nicht aus dem Amt gejagt wurden, sondern man wartete bis zu deren Gebrechlichkeit oder Tod. In jener Zeit ging der Wechsel der Generationen schneller vor sich als heutzutage. Graf Phillip IV. von Hanau-Lichtenberg übertrug 1564 gegen den Widerspruch seines katholische Mitregenten, Graf Jakob von Bitsch, die Pfarrstelle in Bischofsheim dem evangelischen Pfarrer Basilius Romanus. Somit war die Reformation in Bischofsheim vollzogen. In seiner Vorstellungspredigt versprach er, Kinderlehre und Schule zu halten.

Nachfolger von Basilius Romanus wurde Josias Udenius 1568, der vom dritten evangelischen Pfarrer Tobias Romanus 1579 abgelöst wurde. Zu Bischofsheim gehörten die Filialorte Holzhausen (Thomaskapelle dort seit 1971) und Hausgereut (Nikolauskapelle 1288). Von 1581 sind bis heute alle Kirchenbücher noch gut erhalten vorhanden und zum Teil in der Gemeindewebsite www.ekibi.de einsehbar. 1582 wurde in Freistett eine neue Pfarrei gegründet und dieser die drei Dörfer Memprechtshofen, Querken und Renchenloch zugeteilt. Christopherus Acker löste Tobias Romanus ab und versah 23 Jahre lang das geistliche Amt. Es waren Jahre des Friedens. Seine Pfarrkinder konnten in Ruhe und ohne Sorgen ihrer Beschäftigung nachgehen. So wuchs der Wohlstand. In diesen Zeiten hatte man auch viel für kulturelle Dinge übrig. Im Jahre 1602 erbaute die Gemeinde ein neues Schulhaus. Acker starb 1610. Nachfolger war der Schulmeister und Diakonus Johannes Ortelius. Er erlebte den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges in Bischofsheim. Im Jahre 1625 verließ Ortelius das Dorf, niemand weiß, wohin er sich gewandt hat. Sein Nachfolger war Joachim Wendland, der von Eckartsweier nach Bischofsheim versetzt wurde. Nach fünfjähriger Tätigkeit starb dieser Geistliche. Seinen Nachfolger Johann Jakob Ruckus ereilte schon nach einem Jahr der Tod (1631).

Dreißigjähriger Krieg

In den folgenden schweren Jahren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) war Michael Sachs Pfarrer in Bischofsheim. Oft mußte Pfarrer Sachs mit seinen Pfarrkindern vor wütenden Heerscharen auf die Rheininseln flüchten. Es herrschte Hunger und zahlreiche Menschen starben an ansteckenden Krankheiten. Das Elend erreichte 1642 seinen Höhepunkt. Die folgende überlieferte Begebenheit zeigt dies. Damals lag in Lichtenau ein bambergisches Reiterregiment, das die ganze Gegend unsicher machte. In der Kirche in Bischofsheim hingen noch die Glocken. Einige Reiter wollten diese stehlen, aber sie waren zu schwer, weshalb sie zertrümmert werden sollten. Durch Feuer wollten die Soldaten sie sprengen. Die Flammen griffen aber auf den Turm über und legten schließlich das ganze Gotteshaus in Schutt und Asche. Die Bevölkerung kam aus ihren Schlupfwinkeln herbei, um zu löschen und ein Übergreifen des Brandes zu verhindern. Da schossen die Brandstifter in die Menge. Pfarrer Sachs beschwerte sich bei dem Reiteroberst von Bamberger. Der leugnete alles ab und erklärte, die Kirche sei einem Blitzschlag zum Opfer gefallen. Die von Pfarrer Sachs namhaft gemachten Zeugen, darunter der Vogtsmüller (obere Mühle) und der Schulzenmüller (Lochmühle), wurden verfolgt. Nun mußte Pfarrer Sachs im "Rats- und Bürgerhaus" Gottesdienst halten. Den Wiederaufbau der Kirche (1652) erlebte der schwer geprüfte Geistliche nicht mehr; er starb 1646.

Nachfolger Philipp Kirchner hatte unter der Not des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Das Pfarrhaus sah trostlos aus - nicht anders als die meisten Gebäude in unseren Dörfern zu Ende des Dreißigjährigen Krieges. Die neue Kirche wurde 1654 fertig gestellt. Kirchners Nachfolger wurde Johann Martin Dick, den wiederum Joachim Westphal ablöste.

Nach acht Jahren wurde Michael Spener, der Bruder von P.J.Spener, des Begründers des Pietismus, Pfarrer in Bischofsheim. In seine Amtszeit fallen die Raubkriege Ludwig XIV. Auch er mußte mit seiner Gemeinde oft vor uniformierten französischen Räubern auf Rheininseln Schutz suchen. Taufen im Bischemer Wörth am 28. Mai, 4. Juni, 16. und 30. Juli und September, aufgeführt im Taufbuch von 1670, bezeugen von der Not, unter der die Menschen litten. Französische Soldaten kamen sogar auf die Rheininseln und raubten das Notdürftige, das die Flüchtlinge in der Eile mitgenommen hatten. Spener war vor seiner Berufung nach Bischofsheim "Schulhalter" in Herrlisheim und kehrte 1678 dahin zurück.

Die Pfarrei Bischofsheim wurde in den nächsten fünf Jahren nicht besetzt. Während dieser Zeit mußte der Pfarrer von Freistett, Christopherus Adami, das Dorf und seine Filialen mitversehen. Erst ab dem Jahre 1683 gab es wieder Pfarrer in Bischofsheim: Samuel Fasco, und ab 1688 Andreas Thürmann. Dieser wirkte 46 Jahre in Bischofsheim bis 1734. In seine Amtszeit fällt der Pfälzische Erbfolgekrieg. Dieser verlangte noch mehr Opfer als der Dreißigjährige Krieg. Auch Pfarrer Thürmann mußte des öfteren auf die Rheininseln ausweichen, um Leib und Leben seiner anvertrauten Gemeinde zu retten.

Spanischer Erbfolgekrieg

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) fielen die Truppen Ludwig XIV. über Land und Leute her. Bis Kriegsende blieb das Hanauerland von den Franzosen besetzt. Außer der Last der Besatzung kam noch der äußerst strenge Winter 1709/10 und verursachte erhebliche Schäden. Viele Leute erfroren. Im darauf folgenden Sommer gab es eine Mißernte und mancherorts brach die Pest aus. Von 1706-1714 waren im Hanauerland immer wieder französische Truppen, die alles, was greifbar war, raubten, selbst den Kirchhof nicht verschonten und den Pfarrer mißhandelten. In diese Zeit fällt der Bau eines neuen Schlosses in Bischofsheim durch den Landesherren Graf Johann Reinhard III. Baubeginn war das Jahr 1700. 1714 ließ er in der Bischofsheimer Kirche eine gräfliche Loge und ein Oratorium errichten, welches bis zum Abbruch der Kirche im Jahre 1873 bestehen blieb. Im Jahre1736 erschien das Hanauer Kirchengesangbuch "Das girrende Täublein" mit über 800 Liedern.

Bautätigkeit im 18. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert war eine Zeit des Kirchenbaus. Diersheim wurde 1730 eine selbständige Pfarrei und erhielt 1731 eine Kirche und ein Pfarrhaus. Es ist überliefert, daß 50 Klafter Stein von dem unvollendeten Schloß in Bischheim sowie die Steine der alten Zierolshofener Kapelle hierbei Verwendung fanden. In Freistett wurde zwischen 1741 und 1745 das Langhaus der Kirche neu errichtet, 1790 auch der Turm. In diesem Jahr bekam Memprechtshofen eine Kirche und ein Pfarramt.

Der jetzige Kirchenbau

1806 kam das Hanauerland zu Baden. Der Kirchenneubau in Bischofsheim verzögerte sich bis zum Jahre 1873, obwohl sich die alte Kirche in einem erbarmungswürdigen Zustand befand. Der charakteristische Turm aus dem Jahre 1429 (!) und das Langhaus aus dem Jahre 1654 der Johannes-der-Täufer-Kirche wurden abgerissen, aus heutiger Sicht ein Frevel an diesem denkwürdigen Gotteshaus! Die Kirchengemeinde Bischofsheim wünschte, der Bau der neuen Kirche nach einem Entwurf des Kirchenbauinspektors Hofrat Ludwig Diemer möge auf dem Schloßplatz, auf dem noch Teile vom Schloß standen, erfolgen. Aus Kostengründen wurde dies abgelehnt und man entschied sich für den bisherigen Platz. Die Grundsteinlegung war am 9. September 1873 unter Pfarrer Ferdinand Zandt. Der Sandstein kam aus Steinbrüchen im Elsaß. Das Abbruchmaterial der alten Kirche wurde unter anderem für das Fundament der neuen Kirche verwendet. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 79 200 Gulden = 67820 €. Am 9. Juli 1876 fand die Einweihung des neuen Gotteshauses statt. Viele waren erstaunt, daß das neugotische Gotteshaus so groß geworden ist. In einem Bericht der Evangelischen Kirchenbauinspektion Karlsruhe vom 6. September 1876 findet sich die Antwort darauf. Die gesetzlichen Bestimmungen von damals schrieben vor, daß sich die Größe der Kirche nach der Seelenzahl der Evangelischen in der Gemeinde zu richten habe. Damals wohnten in Rheinbischofsheim 1349 evangelische Einwohner, in Holzhausen 409 und in Hausgereut 99, zusammen 1857 evangelische Frauen, Männer und Kinder. Diese Zahl wurde mit 7/12 multipliziert, wonach die Kirche 1085 Besuchern Platz bieten musste. 

Das 19. Jahrhundert

Der Mittelgang der Rheinbischofsheimer Kirche wurde 1884 eingebaut. Die Erneuerung von Kirchenfenstern war im Jahre 1904 fällig. Ein Neuanstrich im Innern erfolgte 1906. Ende 1900 war Hermann Maaß, der nach dem 2. Weltkrieg der erste Deutsche war, der Israel besuchen durfte, für 1. Jahr Vikar in Rheinbischofsheim. Am 6. und 7. Mai 1936 fand das 23. Evangelische Landeskirchengesangsfest in Rheinbischofsheim statt: Nahezu 3 000 Personen nahmen an den Feierlichkeiten teil. Auch an unserer Kirche ging der Weltkrieg (1939-1945) nicht spurlos vorüber. Sie wurde durch Granatbeschuß in Mitleidenschaft gezogen. Ein Turmpfeiler wurde 1945 herausgeschossen. Von 1934 bis 1942 war Hans SchwindtPfarrer in Rheinbischofsheim. Im Kirchenkampf widerstand er  auf Seite der Bekennenden Kirche den „Deutschen Christen“. Man hat ihn als Soldat eingezogen. Auf dem Weg an die Front 1942 ist er verschollen.

1. Renovierung

Eine gründliche Instandsetzung und Renovierung fand in den Jahren 1953/54 statt. Eine Zwischendecke unter der Kuppel wurde angebracht. Der Einbau einer Öl-Warmluftheizung erfolgte 1967-1968. Das Kirchendach wurde zuletzt 1969 erneuert. Am 1. Advent 1964 wurde das erste Gemeindehaus im unteren Hanauerland von Pfarrer Dr. Eugen Wölfle eingeweiht. Im Sommer des Jahres 1976 – zur Zeit von Pfarrer Jochen Plagge - wurde anlässlich der 100-Jahrfeier vor der Kirche ein Kastanienbaum eingepflanzt, der unter seinen Wurzeln eine Flasche mit Erinnerungsstücken an das Jubiläumsjahr verbirgt.

2. Renovierung

In den Jahren 1997/98 – zur Zeit von Pfarrerin Ulla Eichhorn - wurde eine große Renovierung durchgeführt, deren Ziel es war, die Kirche wieder in den innenbaulichen Zustand von 1953/54 zu versetzen. Dabei wurde die Zwischendecke unter der Kuppel wieder entfernt. Ohne die finanzielle Unterstützung durch die Pflege Schönau wären diese Renovierungsmaßnahmen mit ihrem wundervollen Ergebnis nicht möglich gewesen. --> Renovierung der Kirche 1997-1998 

Im dritten Jahrtausend

Im Jahr 2003 feierte der Kindergarten „Storchennest“ der Gemeinde seinen 150.ten (!) Geburtstag! Am 28. April 2009 wurde – fast 70 Jahre nach der Deportation jüdischer Bürger aus Rheinbischofsheim – an der Kirche ein Mahnmal zur Erinnerung daran errichtet. Im November 2009 wurde 70 Jahre nach der Reichspogromnacht vor der Bischemer Kirche ein Mahnmal für die von hier aus nach Gurs deportierten jüdischen Mitbürger in Zusammenarbeit mit dem Anne-Frank-Gymnasium errichtet. Ein Duplikat des Mahnmals befindet sich in Neckarzimmern.  -->Das Mahnmal Projekt

Fremde, die auf der Bundesstraße unterwegs sind oder über die Rheinbrücke ins nahe Elsass fahren, sehen schon von weitem den „Dom des Hanauerlandes“ und staunen über diese schöne mit Elsässer Sandstein erbaute Kirche. Da das Kirchengebäude tagsüber offen steht, sind sie und andere herzlich eingeladen, sich in die Kirche zu setzen, um sich dort umzuschauen und sich in der Stille ansprechen zu lassen. Es möge der jetzigen Kirche gelten, was das Weihegebet vom 13.4.1656 für die Kirchenvorgängerin besagte: 

"Gott behüte die Statt, Kirch undt Thurn vor Kriegsgefahr, Verhörung und Verderbung, vor HagelI, Feuer, Brandt und allem Ungemach, damit zu seinen Ehren undt der Inwohner undt Zuhörer Seelenheil undt Seeligkeit sein göttlich Wort lang undt ruhig möge gepredigt, gehört undt gelehrt, auch die Heilige Sakramente darinnen gereicht werden! Er Erhalte uns ebenmäßig auch verner undt fürderhien bey solch Rechten, Wahren, Reinen Lehr undt Religion! Amen."

Dieses Informationsblatt – Stand 21.2.2010 - zur Kirchengeschichte Rheinbischofsheims setzt fort, was vom Pfarramt in Zusammenarbeit mit H.Großholz, E. Doerr und E. Krauß in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erarbeitet  wurde.Evang. Pfarramt Rheinbischofsheim, Kirchstr. 11, 77866 Rheinau, Tel. 07844 / 1237 – Fax 07844 / 2090 – Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – www.ekibi.de -  Pfr. Volker Kubach